
Die jährliche Klimabericht der World Meteorological Organization (WMO) für das Jahr 2016 hat erneut bestätigt, dass mit dem globalen Anstieg der Temperaturen vielfache weitere Änderungen im Klimasystem zu beobachten sind. Der Deutsche Wetterdienst hat eine Zusammenfassung des Jahresberichts 2016 der WMO auf Deutsch erstellt.
In diesen Bericht, der am 23.3.2017 veröffentlicht wurde, sind die Auswertungen vieler nationaler und internationaler Institutionen wie dem DWD mit eingegangen. Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte des Berichts zusammengefasst:
Die globale Erwärmung setzte sich im Jahr 2016 fort und ergab zum dritten Mal in Folge einen neuen Temperaturrekord. Die globale Mitteltemperatur lag ca. 1,1 °C über dem vorindustriellen Zeitraum bzw. 0,83 °C über dem Temperaturmittel der Klimanormalperiode 1961-1990. Laut WMO erhöhen sich die globalen Temperaturen weiterhin um 0,1 °C bis 0,2 °C pro Jahrzehnt.
Die atmosphärischen Kohlendioxidkonzentrationen erreichten Ende 2015 mit 400,0 ± 0,1 ppm einen neuen Höchstwert.
Auch der langfristige Rückzug des Meereises in der Arktis und Antarktis hält ungebrochen an: Die arktische Meereis-Ausdehnung lag das ganze Jahr deutlich unter dem der durchschnittlichen Ausdehnung 1979-2015. Das saisonale Maximum von 14,52 Mio. km2 am 24.3.2016 war das niedrigste saisonale Maximum seit Beginn der kontinuierlichen Satellitenüberwachung 1979. Die antarktische Meereis-Ausdehnung lag in den ersten 10 Monaten des Jahres nahe am Mittelwert der Jahre 1979-2015, erreichte aber im November einen neuen Negativrekord mit 1,0 Mio. km2 Meereisfläche unter dem bisherigen Rekord.
Über 90 % des aus dem anthropogenen Treibhauseffekt resultierenden Wärmeüberschusses wird von den Ozeanen absorbiert. Diese Erwärmung bedingt eine Ausdehnung der globalen Wassermassen und damit, neben dem Abschmelzen der Eiskappen und Gletscher, einen kontinuierlichen Meeresspiegelanstieg. Weltweit ist der Meeresspiegel seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Mittel um 20 cm gestiegen. Anfang des Jahres 2016 wurden die bisher höchsten gemessenen Änderungsraten (ca. 15 mm von Nov. 2014 – Feb. 2016 statt ca. 3 mm/Jahr in den letzten Jahrzehnten) festgestellt.
Ein starkes El Niño-Ereignis, das 2015/2016 aufgetreten war, hat global und regional das Klima (vor dem Hintergrund des langfristigen Klimawandels) stark beeinflusst. Schwere Dürren beeinträchtigten die landwirtschaftliche Produktion in vielen Teilen der Welt, vor allem in Süd- und Ostafrika sowie in Teilen Mittelamerikas.
Hurrikan Matthew war im Jahr 2016 das meteorologische Extremereignis, das die höchsten Schäden verursachte. Betroffen war besonders Haiti mit über 500 Todesopfern. Ost- und Südasien waren durch Starkniederschlagsereignisse vielfach von Überschwemmungen mit mehreren hundert Todesopfern sowie hohen volkswirtschaftlichen Schäden betroffen. Andererseits führten die überdurchschnittlich feuchten Bedingungen zu überdurchschnittlich guten landwirtschaftlichen Erträgen in großen Teilen der Sahelzone, mit Rekordernten in Mali, Niger und Senegal.
2016 war in Europa das drittwärmste Jahr seit 1850.
Die WMO weist in einer Presseerklärung darauf hin, dass sich die extremen Wetter- und Klimabedingungen im Jahr 2017 fortsetzen. So wurden in diesem Winter in der Arktis bisher drei warme Abschnitte (‚Hitzewellen‘) registriert, die zu Temperaturen nahe der 0 °C-Grenze führten. Neben einer stark verringerten Neueisbildung kann dies zu veränderten Strömungsmustern in der Atmosphäre und den Ozeanen führen und somit Auswirkungen auf die Witterung in anderen Regionen haben. So waren die Februartemperaturen u.a. in den USA und Kanada ungewöhnlich warm, während z.B. Teile der arabischen Halbinsel und Nordafrikas Anfang 2017 außergewöhnlich kalt waren.
Auch wenn in Deutschland 2016 im Gegensatz zur globalen Entwicklung kein neuer Rekord der Jahresmitteltemperatur erreicht wurde, können insbesondere die Sturzflutereignisse im Frühsommer und die spätsommerliche Hitzewelle einen Vorgeschmack auf die klimatischen Verhältnisse in einer zukünftigen wärmeren Welt sein.
Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, bestätigt die Schlussfolgerungen der WMO: „Auch dies weist auf die Dringlichkeit eines ernsthaften weltweiten Klimaschutzes hin. Nur Maßnahmen, die zu einer deutlichen und anhaltenden Reduzierung des Anstiegs der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre führen, können diesen Trend mindern.“
