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Lockheed XH-51

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
XH-51
TypExperimenteller Hubschrauber
Entwurfsland

Vereinigte Staaten

Hersteller Lockheed
Erstflug 2. November 1962
Produktionszeit

1962–1964

Stückzahl 5

Der Lockheed XH-51 (intern CL-585 oder auch Modell 186) ist ein amerikanischer einmotoriger Experimental-Hubschrauber, der von Lockheed entwickelt wurde. Er verfügte über einen starren Rotor sowie ein einziehbares Kufenfahrwerk. Der XH-51 wurde im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprogramms von der US Army und der US Navy gebaut. Es diente zur weiteren Erforschung der Starrrotor-Technologie.

Lockheed begann 1959 mit der Entwicklung seines Konzepts eines starren Rotors im Rahmen der Entwicklung der CL-475. Die Wahl eines starren Rotors bedeutete, dass der Hubschrauber wendiger war, als er es mit einem schlagenden Rotor gewesen wäre. Die Leistung des CL-475 bestärkte Lockheed darin, die Entwicklung weiter voranzutreiben. Lockheed unterbreitete der Armee den CL-475 als Kandidaten für den Ersatz der Beobachtungshubschrauber Bell OH-13 „Sioux“ und Hiller OH-23 „Raven“, verlor aber gegen die Hughes OH-6. Lockheed versuchte auch den Verkauf auf dem zivilen Markt, war damit aber ebenfalls nicht erfolgreich. So blieb die CL-475 ein reiner Prototyp. Aufgrund der sehr guten Flugeigenschaften der CL-475 entschieden die US Army und Navy im Februar 1962, zwei weitere Testmaschinen (Seriennummern 151262 und 151263) in Auftrag zu geben. Neben der weiteren Erforschung und Entwicklung des Starrrotors war ein weiteres Ziel, die Höchstgeschwindigkeit von Hubschraubern zu steigern. Dies sorgte dafür, dass das Entwicklungsteam die Anweisung bekam: Make it look fast (deutsch: Lasst es schnell aussehen). Die offizielle Bezeichnung der US-Streitkräfte war XH-51A.[1]

Die XH-51A verfügte über vier Sitze und einen Dreiblatt-Hauptrotor. Angetrieben von einer 410 kW (550 PS) starken Wellenturbine Pratt & Whitney Canada PT6B-9 absolvierte die XH-51A (Seriennummer 151262) am 2. November 1962 ihren Erstflug. Im Verlauf der Flugtests zeigte sich, dass der ursprüngliche dreiflügelige Rotor bei höheren Geschwindigkeiten instabil (Vibrationen) war. Die Ingenieure von Lockheed lösten das Problem, indem sie den Hubschrauber auf ein vierflügeliges Rotorsystem umrüsteten. Die XH-51A war ein schneller Hubschrauber; mit dem Dreiblatt-Hauptrotor betrug die Höchstgeschwindigkeit 280 km/h (151 Knoten), mit dem Vierblatt-Rotor sogar 324 km/h (175 Knoten). Andere Hubschrauber bewegten sich zu der Zeit (1962) mit Geschwindigkeiten von 130 bis 240 km/h. Die Maschine flog neben Testflügen bei Lockheed noch über 125 weitere Stunden am NATC in Patuxtent River in Maryland. Wo Army- und Navy-Piloten von der Maschine sehr beeindruckt waren.

XH-51A Compound

Die Erfahrungen, die man im Vietnamkrieg sammelte, zeigten, dass sich die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich erhöhte, je schneller ein Hubschrauber flog. So beauftragte im Jahr 1963 das Technology Research and Evaluation Command (TRECOM) der US-Armee, Bell (Bell 533), Kaman (NUH-2B), Sikorsky (NH-3A/S-61F) und Lockheed XH-51 Compound damit, jeweils eine Testmaschine zu bauen, die noch höhere Geschwindigkeiten erreichen. Dazu wurden alle Maschinen mit Stummelflügeln und zusätzlichen Schubturbinen ausgestattet. Lockheed entschied sich die zweite XH-51A (Seriennummer 151263) zu nutzen. Sie wurde entsprechend umgerüstet. Es wurden Flügel mit einer Spannweite von 4,9 m angebracht und ein Pratt & Whitney J60-2-Turbostrahltriebwerk mit einer Schubkraft von 12,9 kN am linken Flügel montiert. Die Cockpitscheiben wurden verstärkt, die hinteren Stabilisierungsflügel wurden vergrößert und mit zusätzlichen Gewichten versehen. Die XH-51A Compound absolvierte am 21. September 1964 ihren Erstflug ohne Zündung des Turbostrahltriebwerks, während Tests zur Ausbalancierung und zum Flugverhalten durchgeführt wurden. Der Erstflug des Hubschraubers unter Nutzung des J60-2 fand am 10. April 1965 statt. Am 29. November 1967 erreichte er in einem flachen Sinkflug eine Geschwindigkeit von 487 km/h (263 Knoten). Die höchste horizontale Fluggeschwindigkeit betrug 413 km/h (223 Knoten).[2] Die maximale Flugdauer mit aktiver J60-2 betrug 20 Minuten.[3]

Die XH51A beeindruckte ebenfalls die NASA. Die bestellte eine Variante mit 5 Sitzen, aber mit einem Dreiblatt-Hauptrotor. Sie wird als XH-51N bezeichnet und trug die Registriernummer NASA 531. Sie wurde bei der NASA als Testmaschine eingesetzt. Darüber ist allerdings nicht viel bekannt, außer dass man eine aktive wie passive Kabinen-Schallisolierung testete.[4] Der Verbleib der Maschine ist seit 1972 unbekannt.[5]

Da Lockheed nicht nur auf Militäraufträge setzen wollte, versuchte man es wie bei der CL-475 auch auf dem Zivilmarkt. Ein großer Unterstützer davon war der damalige Chairman Robert Gross. So baute man zwei Hubschrauber zu Demonstrationszwecken mit der Bezeichnung „Lockheed Model 286“ um sie der Öffentlichkeit vorzustellen (Registrierungsnummern N286L und N265LC). Diese Maschinen verfügten über die Fünfsitzer-Konfiguration der XH-51N und das vierblättrige Rotorsystem der XH-51A. Das Modell 286 wurde am 30. Juni 1966 von der FAA für den zivilen Betrieb zugelassen, doch Lockheed verkaufte keine einzige Maschine. Dadurch entstand ziemlich viel Unruhe innerhalb von Lockheed. Der Tod von Robert Gross im gleichen Jahr sorgte dafür, dass man das Model 286 aufgab. Lockheed selbst setzte die beiden Hubschrauber mehrere Jahre lang als Geschäftsmaschinen ein. Flugunfähig wurden beide Maschinen schließlich an einen Sammler aus Kalifornien verkauft. Der lagerte sie in einem Hangar, der 1988 Feuer fing und mit den beiden Maschinen vollständig ausbrannte.

XH-51A im US Army Aviation Museum

Die Erkenntnisse, die man mit der XH-51A und der CL-475 sammelte, sollten nicht umsonst sein. Im Rahmen des Advanced Aerial Fire Support System Program entwickelte Lockheed die AH-56. Aber auch dieser Hubschrauber sollte kein Erfolg, im Sinne einer Serienproduktion, sein. So bleiben die CL-475, XH-51A und AH-56 seit 1972 die einzigen Hubschraubermodelle, die Lockheed gebaut hat bis ins Jahr 2007. Damals versuchte Lockheed-Martin mit AgustaWestland, die VH-71 an die US-Regierung zu verkaufen. Aber auch mit dieser Maschine sollte Lockheed-Martin keinen Erfolg haben. Die beiden Exemplare der XH-51A sind im United States Army Aviation Museum in Fort Rucker in Alabama ausgestellt.[6] Zwischenzeitlich wurde die beiden XH-51A restauriert.[7][8]

  • XH-51A – viersitzig, dreiflügeliger Rotor
  • XH-51A Compound – ausgestattet mit einem vierblättrigen Rotor, Stummelflügeln und einem Zusatztriebwerk vom Typ Pratt & Whitney J60-2 mit einer Leistung von 13 kN
  • XH-51N – fünfsitziger Hubschrauber mit dreiflügeligem Rotor für Testzwecke der NASA.
  • Modell 286 – ein fünfsitziger leichter Hubschrauber für zivile oder militärische Zwecke wurde zum Verkauf angeboten, es wurde jedoch kein Exemplar verkauft.

Technische Daten XH-51A

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KenngrößeDaten
Besatzung2
Rotordurchmesser10,67 m
Länge über alles12,42 m
Höhe2,50 m
Leermasse1266 kg
Startmasse1860 kg
Höchstgeschwindigkeit280 km/h
max. Steigleistung10 m/s
Schwebeflughöhe
ohne Bodeneffekt
4900 m
Reichweite420 km
Triebwerkeine Wellenturbine Pratt & Whitney Canada PT6B-9, 410 kW
Tankinhalt300 l
Commons: Lockheed XH-51 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • René J. Francillon: Lockheed Aircraft Since 1913. Naval Institute Press, Annapolis, Md 1987, ISBN 0-85177-805-4 (englisch).
  • Tony Landis, Dennis R. Jenkins: Lockheed AH-56 Cheyenne. In: WarbirdsTech Series. Volume 27. Specialty Press, 2000, ISBN 1-58007-027-2 (englisch).
Commons: Lockheed XH-51 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Lockheed CL-475. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 1. Januar 2008; abgerufen am 10. Juli 2026.
  2. History. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juni 2001; abgerufen am 10. Juli 2026.
  3. Robb, Raymond L.: "Hybrid helicopters: Compounding the quest for speed". In: American Helicopter Society (Hrsg.): Vertiflite. Band 52, Nr. 2, 2006, S. 30–54.
  4. XH-51. Abgerufen am 10. Juli 2026.
  5. Aircraft Photo of NASA 531 | Lockheed XH-51N | AirHistory.net #687810. Abgerufen am 10. Juli 2026 (englisch).
  6. Our Collection | Army Aviation Museum. Abgerufen am 10. Juli 2026 (amerikanisches Englisch).
  7. Museum features radically designed, newly restored XH-51A. 29. März 2018, abgerufen am 10. Juli 2026 (englisch).
  8. Stepping stone: Experimental aircraft helped usher in modern attack fleet. 17. Mai 2018, abgerufen am 10. Juli 2026 (englisch).
Lockheed XH-51
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