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Hirte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Schafhirte mit Herde und Hirtenhund
Berittene Hirten in Patagonien, Argentinien

Der Ausdruck Hirte (auch Hirt) oder Hüter bezeichnet eine Person, die eine Herde von Nutztieren hütet und versorgt (z. B. Schafe, Ziegen, Rinder, früher auch Gänse, Schweine, Pferde, Esel, speziell in Nordafrika und Vorderasien Kamele, in Südamerika Lamas, in Süd- und Südostasien Arbeitselefanten).

Im Lateinischen heißt Hirte „Pastor“; daher stammt der Begriff Pastoralismus, der für alle Formen pastoraler Tierhaltung auf Naturweiden steht.[1]

Almhirtin mit Mutterkuh, Osttirol: Enger Kontakt zu den Tieren erleichtert Hirten die Arbeit

Das traditionelle Arbeitsumfeld des Hirten zeichnet sich durch die Nähe zu seinem Vieh aus. Der Hirte bleibt zum Teil auch nachts auf der Weide und beschützt seine Herde vor Räubern und Raubtieren. Insbesondere bei Großvieh (Rind, Pferd, Kamel) und Mittelvieh (Schaf, Ziege, Schwein) umfasst diese Lebensweise bei extensiver Wirtschaftsweise – früher ganz, heute meist nur noch zeitweise – Nomadentum, um in den Wanderbewegungen der Herde in Kontakt zu bleiben. Ganzjährige Hütehaltung wird als traditioneller Nomadismus oder moderne Mobile Tierhaltung bezeichnet. Die saisonale Wanderweidewirtschaft (etwa zwischen Gebirge und Flachland) nennt man Transhumanz. Da Hirten nicht auf eigenem Grundbesitz weiden, ergeben sich seit jeher Konflikte der Nomaden mit den sesshaften Ackerbauern weltweit.

Um sich gegen die Gefahren wehren zu können, hat der Hirt zur Bewaffnung traditionell seinen Hirtenstab oder die multifunktionale Schäferschippe, später auch Schusswaffen. Eng verbunden mit der Tradition des Hirtenwesens ist der Haushund, eines der frühesten echten Haustiere des Menschen.[2] Hunde wurden zu speziellen Hirtenhunden als Herdenschutzhund, Treibhund und Hütehund gezüchtet. Sie helfen dem Hirten, seine Herde zusammenzuhalten und zu schützen.

In der Almwirtschaft wird der Viehhirte, der die Milch zu Käse verarbeitet, als Senn bezeichnet.

Für den Rinder- beziehungsweise Kälberhirten bestehen Bezeichnungen wie Kälberführer, Kälberer, Kälbler oder Kälberbube.[3][4]

Bei der Arbeit mit Herdentieren spielt auch die Mensch-Tier-Beziehung eine Rolle. In der Nutztierforschung wird beschrieben, dass ruhiger, wiederholter und für das Tier positiv besetzter Kontakt die Furcht vor Menschen verringern und dadurch das Treiben, Einfangen, Untersuchen oder Versorgen erleichtern kann. Solch eine positive Verknüpfung kann unter anderem durch Futtergaben, schonendes Handling oder vertraute Bezugspersonen entstehen.[5][6]

Berittene Hirten

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Berittene Viehhirten sind weltweit verbreitet und tief in den lokalen Kulturen verwurzelt. In Amerika werden sie als Cowboy (USA), Charro (Mexiko), Arriero (Südamerika allgemein; auch Maultiertreiber;[7] auch berittene Hirten anderer Tiere), Huaso (Chile) und Gaucho (Argentinien) bezeichnet.

In Europa gibt es die Tradition der Butteri in der Toskana, den Csikós (Pferde) und Gulyás (Rinder) in Ungarn, Gardian in Südfrankreich, Vaquero in Spanien.

Kulturgeschichtliche Rezeption

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Bochumer Kuhhirtendenkmal
Schweinehirt und Schweineherde. 15. Jh.

Bereits die Herrscher des Alten Orients bezeichneten sich als „Hirten“ ihrer Völker.[8] Im Alten Ägypten der 12. Dynastie wurde das Thema in der Hirtengeschichte literarisch verarbeitet. In der antiken Dichtung war der Hirte die zentrale Gestalt der Bukolik, im Mittelalter der Schäferdichtung. Seit der Antike gilt das mythische Hirtenland Arkadien als unerreichbare Idylle.

Bereits in der Geschichte von Kain und Abel wird der Gegensatz von sesshaftem Bauern und nomadischem Hirten dargestellt. Die alttestamentlichen Patriarchen waren Hirten von Abraham, Isaak und Jakob über Mose bis hin zu David.[8]

Die Bibel verwendet die Gestalt des Hirten als eine Metapher für Gott oder den König, z. B. im Psalm 23 oder im Gleichnis vom guten Hirten. Oft wird der Hirte auch als Symbol für die Wächterrolle verwendet. So finden sich in der Bibel zahlreiche Vergleiche, in denen ein Prophet mit einem Hirten und seine Schützlinge mit Schafen verglichen werden.

Auch in der Weihnachtsgeschichte sind es Hirten, die am Heiligabend die Nachricht von der Geburt Jesu Christi zuerst empfangen, zum Stall in Bethlehem eilen und das Christkind dort anbeten (Lk 2,8-20 EU). Diese Szene spielt in der christlichen Kunst unter dem Aspekt der Verkündigung an die Hirten und Anbetung der Hirten eine Rolle und bildet die Grundlage für die Darstellung der Weihnachtskrippe. Die Darstellung von Jesus als Guten Hirten, der ein Schaf auf dem Nacken oder dem Arm trägt, war zuvor schon für Hermes, den griechischen Schutzgott der Reisenden und Hirten verbreitet.[8]

Die Gestalt des Hirten (lateinisch Pastor) ist als Leitbild für das Berufsbild des christlichen Geistlichen („Pastor“) bestimmend. Der Titel des Bischofs wird als Hirtenamt verstanden, dies symbolisiert der Krummstab.[8]

Kunst- und Literaturgeschichtlich bedeutsam sind:

Commons: Hirten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Hirte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Jill Philine Blau: Pastoralismus. In: Wörterbuch Land- und Rohstoffkonflikte. transcript Verlag, 2019, ISBN 978-3-8394-4433-7, S. 259–264, doi:10.1515/9783839444337-037 (degruyter.com [abgerufen am 16. Januar 2023]).
  2. Tobias Mayr, O. R. F. Wissen: Hund war erstes Haustier des Menschen. 25. März 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
  3. Gestorbene in München. Ursula Drechsler, Kälberführerskind […]. In: Der Volksbote für den Bürger und Landmann Nr. 210, 16. September 1858, S. 844. Abgerufen am 28. Oktober 2021.
  4. Kälber(er). In: Deutsches Rechtswörterbuch (DRW). Abgerufen am 28. Oktober 2021.
  5. Paul H. Hemsworth: Human–animal interactions in livestock production. In: Applied Animal Behaviour Science. Band 81, Nr. 3, 2003, S. 185–198, doi:10.1016/S0168-1591(02)00280-0.
  6. Xavier Boivin u. a.: The influence of feeding and handling on the development of the human–animal interactions in young cattle. In: Applied Animal Behaviour Science. Band 62, Nr. 4, 1999, S. 317–334, doi:10.1016/S0168-1591(98)00219-6.
  7. Michael Zeuske: Kleine Geschichte Venezuelas (= Beck’sche Reihe. Nr. 1745). Verlag C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54772-0, S. 108.
  8. 1 2 3 4 deutschlandfunk.de: Der Hirte in der Bibel - Von der Weide ins Heiligtum. 23. Oktober 2019, abgerufen am 28. Juli 2026.
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