Big Tech

Als Big Tech (auch Internetgiganten, Internetriesen, Internetkonzerne, Tech-Giganten, Tech-Riesen, Tech-Konzerne oder Digitalkonzerne) werden einzelne IT-Unternehmen bezeichnet, die sich über Jahrzehnte zu globalen Marktführern in ihrer Branche entwickelt haben.[1] Damit sind im engeren Sinne US-amerikanische, aber auch andere multinationale Unternehmen gemeint, die ihre wirtschaftlichen Aktivitäten auf die Internetwirtschaft ausgerichtet haben.[2] Sie bieten eine Vielzahl innovativer Produkte und Dienstleistungen rund um das Internet an. Aufgrund ihrer dominierenden Stellung bei der Verarbeitung großer Mengen digitaler Daten geraten sie jedoch zunehmend in wirtschaftliche und rechtliche Konflikte.
Technologie-Sektor
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit den 2000er Jahren (New Economy) und vermehrt seit den 2010er Jahren (Digital Economy) prägen die Unternehmen dieser Kategorie große Anteile der digitalen Infrastruktur des Internets. Die Phasen dieser digitalen Wirtschaft lassen sich etwa wie folgt aufteilen: Anfangsphase (2000–2008), Phase des aufkommenden Wachstums (2009–2014), Phase des raschen Wachstums (2015–2020) und Sättigungsphase (2021–2025).[3]
Seit dem Aufkommen von Breitbandinternet und datenbasiertem Mobilfunk nutzen weltweit Milliarden Menschen die Dienste dieser Unternehmen.[4] Dazu zählen die Suchmaschinen wie Google, aber auch die technische Grundausstattung wie das Betriebssystem Windows von Microsoft. Die meisten der Services werden über die elektronischen Geräte (Personal Computer oder Notebooks, Smartphones und „Neue Medien“) angesprochen und genutzt (Client-Server).
Die fünf – nach Marktkapitalisierung – größten IT-Unternehmen sind die internationale Aktienunternehmen: Alphabet (Google), Amazon, Apple, Meta (Facebook) und Microsoft. Umgangssprachlich werden sie als „Big Tech“ (dt. „große Technologie“) bezeichnet. Die Unternehmen stammen aus dem Silicon Valley, Seattle und Redmond, und gehören etwa seit den 2010er Jahren gemessen an ihrer Marktkapitalisierung zu den größten Unternehmen der Welt.
Aber auch Tech-Konzerne aus anderen Ländern erreichen mittlerweile ähnliche Größenordnungen. Seit den 2010er Jahren verzeichneten mehrere chinesische Unternehmen, z. B. Alibaba, Tencent oder ByteDance, starkes Wachstum mit Massen-Services wie TikTok. Diese erreichen zwar nicht die Marktkapitalisierung der „Big Five“, haben aber ähnliche Nutzerzahlen für ihre Onlinedienste vorzuweisen.
Weitere Schlagwörter oder Themengebiete in diesem Kontext sind Digitale Transformation, Big Data, Data Science oder Data Mining.
Begriff
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Die Bezeichnung „Big Tech“ ist Analog zu den großen Mineralölunternehmen, die auch als „Big Oil“ oder „Majors“ (damals Seven Sisters) bekannt sind.
Gängige Akronyme für die US-Unternehmen sind außerdem Big 5 oder GAFAM[5][6] – nach Umbenennung von Facebook zu Meta – GAMAM oder GAMMA (Google, Apple, Meta, Microsoft, Amazon). Außerdem ist die Abkürzung „M7“ bekannt geworden. Es steht als Abkürzung für „Magnificent Seven“. Damit werden im Kontext der weltweiten Finanzbörsen die Big 5 zuzüglich der zwei US-Unternehmen Nvidia sowie Elon Musks Unternehmen bezeichnet.[7]
Siehe auch die Definitionen weiter unten.
Abgrenzung
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Seltener werden große Unternehmen aus der Halbleiterindustrie mit Schwerpunkt Mikroelektronik (z. B. Broadcom, Nvidia, Samsung oder TSMC) zur Kategorie der „Big Tech“ gezählt. Sie leisten jedoch einen signifikanten Beitrag zur gesamten Informations- und Telekommunikationsindustrie (ITK) im Sinne einer Zulieferpyramide.
Ihre Produkte bilden eine digitale Infrastruktur basierend auf Rechenzentren und Servern, die von weiteren Tech-Konzernen wie Oracle (Sun Micro) oder Cisco System errichtet und/oder genutzt werden. Ein weiteres Beispiel ist das Chipdesign-Haus Arm, welches die Rechnerarchitektur (nur die IP) für eine Vielzahl von mobilen Geräten (Smartphones und Tabletcomputer) bereitstellt. Auf der anderen Seite stellen Intel und AMD die Mikroprozessoren für Personal Computer und Server her.
Die Big Tech-Unternehmen werden teilweise auch als Digitalkonzerne bezeichnet, was von dem Konzept eines digitalen Unternehmens abzugrenzen ist. Das Digital spielt dabei wie üblich auf die Computertechnologie und die kleinsten Logikeinheiten, die Bits und Bytes, an, meint aber direkt die Internetkonzerne, da es hier nicht um Halbleiterelektronik geht, sondern Internettechnologien.[4] Dabei sind einige der IT-Technologien der Konzerne auch Schlüsseltechnologien.[8][9]
Des Weiteren sind IT-Unternehmen wie Palantir oder OpenAI zwar keine der ursprünglichen Big Tech-Unternehmen, aber sie sind in dem gleichen Umfeld der Digital Economy tätig. Außerdem existieren in der Tech-Branche weltweit große IT-Dienstleistungsunternehmen wie die Entwicklungsdienstleister Accenture, CGI, Cognizant, HCL, Infosys, Tata oder Wipro.
Die Kernkompetenz der Big Tech-Unternehmen liegt unter anderem bei der Software und im Cloud Computing. Diese Bereiche werden von den Unternehmen entwickelt, vermarktet und selbst genutzt.
Wirtschaft
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Die Unternehmen betreiben unter anderem sogenannte Plattformen als Geschäftsmodell und nutzen Skaleneffekte als Teil einer globalisierten und vernetzten Welt. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Kapazitäten und technologisch-politischen Aufstellung wird einzelnen Unternehmen etwa seit den 2020er Jahren eine marktbeherrschende Stellung nachgesagt, die viele wettbewerbsrechtliche, steuerrechtliche, moralische und andere Fragen aufwirft.[10][11][2][12][13] Beispielsweise werden die beiden Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS von jeweils Google und Apple als führend eingeschätzt. Erfindungen wie der App Store bringen, neben innovativen Vorteilen, seit Jahren Fragen der Kontrolle der Inhalte („Torwächter“) mit sich.[14][15][16][17] Des Weiteren kommt es in dem Umfeld der Big Techs zu Merger & Acquisitions, welche zu engen Verflechtungen der Dienste führen und Benutzer weiter an sich binden. Beispielsweise der Zukauf von YouTube durch Google oder der Kauf von WhatsApp durch Facebook.
Viele Internetnutzer verwenden einen oder mehrere meist kostenfreie Onlinedienste der Big Tech-Unternehmen. Als zentrale „Währung“ gelten dabei die digitalen Daten, welche nach dem konventionellen EDV-Prinzip durch moderne Anwendungen der Konzerne verarbeitet werden.[18][19] Beispielsweise ist der E-Mail-Dienst Gmail kostenlos, es wurde jedoch anfänglich personalisierte Werbung angezeigt. Doch Gmail war nicht der einzige Anbieter, auch die deutschen Anbieter waren frühzeitig im Onlinegeschäft aktiv. GMX und Web.de verfolgten ähnliche Monetarisierungskonzepte wie die US-Internetunternehmen.[20][21] Es sei auch auf die langwierige Debatte über Cookies hingewiesen.[22][23]
Werbung bzw. Onlinewerbung ist ganz generell eine der Haupteinnahmequellen für manche der Internet- und IT-Unternehmen.[24][25][26] Der Dienst Google Workspaces oder Active Directory (AD) spricht hingegen Geschäftskunden an (B2B). Seit den 2010er Jahren investieren viele Big Tech-Unternehmen ebenso großzügig in Cloud-Technologien, welche aufbauend auf modernen Rechenzentren seither eine neue Generation von Webservices hervorgebracht haben.[27] Dies sind nur zwei einfache Beispiele, da die Unternehmen auch elektronische Geräte (Hardware) anbieten, z. B. das Microsoft Surface oder Smartphones wie das Nexus One und seine Nachfolger von Google.
Historisch betrachtet konkurrierte Bill Gates und Microsofts Windows mit dem IBM-PC und setzte sich durch.[28] Auch Steve Jobs versuchte seine Ideen mit Apple mal mehr (Macintosh II) und mal weniger erfolgreich (NeXT) voranzutreiben. Diese Entwicklungen gingen den modernen Big Tech-Unternehmen voraus. Der scharfe Wettbewerb führte auch bei dem Anbieter Yahoo zu erheblichen Veränderungen.[29]
Jahrzehnte später, im Jahr 2023, kam es zu erheblichen Problemen (Bankenkrise 2023) im Zusammenhang mit spekulativen Bankgeschäften der Silicon Valley Bank (SVB)[30], der First Republic Bank und der Signature Bank. Diese Banken stehen in Zusammenhang mit den IT-Unternehmen im Silicon Valley. Auch die Credit Suisse (CS) kollabierte infolge der Probleme.
Marktkapitalisierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alle fünf US-Unternehmen befanden sich 2021 nach rasantem Wachstum zwischen 2010 und 2020[31] gemessen an ihrer Marktkapitalisierung unter den größten Unternehmen der Welt (zusammen mit dem Mineralölkonzern Saudi Aramco). Im Herbst 2025 betrug der Börsenwert der „M7“ rund 18 Billionen Euro[32] und entspricht somit in etwa dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt aller Staaten der EU zusammengenommen. Nach dem Ranking von PricewaterhouseCoopers (PwC) war die Marktkapitalisierung (Top 10) im April 2026 wie folgt verteilt:[33]
- Nvidia
- Apple
- Alphabeth (Google)
- Microsoft
- Amazon
- Saudi Aramco
- Broadcom
- Meta
- TSMC
- Tesla
Definitionen
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Es existieren weitere Definitionen von „Big Tech“, die neben der großen Marktkapitalisierung des jeweiligen Konzerns auch inhaltliche Charakteristika berücksichtigen oder sogar voraussetzen:
Definition gemäß Bundesbank
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bundesbank schrieb bereits 2019, dass es sich nach ihrem Verständnis bei Big Tech-Unternehmen jeweils um große Plattform-Unternehmen mit jeweils eigenen „Ökosystemen“ handele.[34] Dort wurden also bereits 2019 dementsprechend neben den Big Four[35] auch die beiden chinesischen Konzerne Alibaba und Tencent den Big Tech hinzugezählt. Durch das starke Wachstum von Microsoft Teams und Microsoft 365 seit Anfang der 2020er Jahre ist Microsoft mittlerweile aber hier auch eindeutig hinzu zu zählen, ebenso die TikTok Konzernmutter ByteDance.[36]
Marktübergreifende Bedeutung nach GWB
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Daneben ist in Deutschland aufgrund der 10. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen – GWB-Digitalisierungsgesetz seit Januar 2021 die Vorschrift des § 19a GWB in Kraft. Sie bezieht sich auf Digitalunternehmen, die eine überragende marktübergreifende Bedeutung für den Wettbewerb in Deutschland haben. Dabei fällt die Feststellung, welche Unternehmen hier hinzu zu zählen sind, in die Zuständigkeit des Bundeskartellamts und erfolgt jeweils zunächst auf fünf Jahre befristet. Mit Stand von Ende September 2024 ist die Feststellung der überragenden marktübergreifenden Bedeutung für den Wettbewerb nach §19a(1) GWB aktuell auch für Microsoft erfolgt,[37] bereits zuvor ist diese Einstufung schon erfolgt für die Megakonzerne Alphabet, Amazon, Apple und Meta.[38]
Definition gemäß der EU
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der EU gibt es seit dem Inkrafttreten des DSA 2022 die rechtliche Definition der Very large online platforms (VLOPs). Hierzu zählen alle Onlinedienste, die durchschnittlich mehr als 45 Millionen monatliche Benutzer in der EU haben. Für sie gelten strengere Regeln, zum Beispiel im Bezug auf Risiken für die Demokratie oder die Gesundheit. Im April 2023 wurde die Einstufung der ersten 19 Onlinedienste öffentlich bekannt. Von diesen waren zehn in Besitz der „Big Five“. Von den Übrigen waren fünf weitere in Besitz von US-amerikanischen Unternehmen (Booking.com, LinkedIn, Pinterest, Snapchat und Twitter), zwei von chinesischen Unternehmen (TikTok und AliExpress), einer von einem europäischen Unternehmen (Zalando) und einer von einer Non-Profit-Organisation (Wikipedia).[39] Im Dezember 2023 wurden drei Pornoseiten/-Plattformen ergänzt[40] sowie eine weitere im Juli 2024,[41] außerdem im April 2024 das chinesische Shein[42] und im Mai Temu.[43] Damit sind 25 Dienste von der EU als VLOPs eingestuft (Stand August 2024).
GAFA bzw. Big Four
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lange Zeit wurde der Big Tech-Begriff insbesondere auf größte Marktkapitalisierung bezogen, aus der Zeit stammt das Akronym GAFA und das steht für die Big Four[35] ohne Microsoft. Im Börsenkontext ist mitunter von FAANG(-Aktien) die Rede, wobei hier Microsoft durch Netflix ersetzt wird.[44][45] Die relative Dominanz der GAFA im Verhältnis zum gesamten restlichen Internet wurde für Deutschland anhand einer Gesamtmessung der digitalen Mediennutzung über alle Endgeräte ermittelt – hier erzielten die 4 größten Konzerne (Alphabet, Meta, Amazon und Apple) insgesamt 46,1 % des gesamten Internet-Traffics.[46] Besonders kritisch an den Ergebnissen dieser Messungen ist vor allem, dass sich riesige Teile des Internets als weitgehend frei von Traffic erweisen. Der Gini-Koeffizient für die Ungleichverteilung des Traffics im Netz beträgt 0,988 (der Maximalwert 1,0 bedeutet maximale Ungleichheit – wenn ein Anbieter die gesamte Nachfrage bündelt und alle anderen Anbieter leer ausgehen).
Kontroversen
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Kontrolle und Digitale Macht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Big Tech-Unternehmen weisen große Gemeinsamkeiten auf, die überwiegend kritisch beschrieben werden. Schon in den 1990er Jahren wurden manche Entwicklungen im Silicon Valley kritisch beobachtet.[49] Der erste große Fall ereignete sich jedoch erst in den frühen 2000er Jahren, als die USA Microsoft verklagten.[50][51][52][53] Konkret wurde dem Konzern vorgeworfen, dass[54]
- Microsoft den Markt für Betriebssysteme (Microsoft Windows) für Personal Computer monopolisierte und wettbewerbswidrige Maßnahmen ergriff, um sein Monopol rechtswidrig aufrechtzuerhalten;
- Microsoft versuchte, den Markt für Internetbrowser zu monopolisieren, da solche Browser Konkurrenz für Betriebssysteme darstellen würden;
- Microsoft seinen Browser (Internet Explorer) mit Windows bündelte;
Einzelnen IT-Unternehmen bzw. seit etwa den 2010er Jahren Digitalkonzernen wird seither unterstellt, Sie handeln überwiegend nicht gemeinwohlorientiert, sondern selbsterhaltungs- und profitorientiert und verwenden deshalb bspw. die Methoden von Überwachungskapitalismus und Plattformkapitalismus.[55][11] Das bedeutet, dass sie beispielsweise zwecks Machterhalt und Gewinnerzielung Internetnutzer intensiv verfolgen und manipulieren oder von ihren „Diensten“ abhängig machen.[10][56][57] Es kommt daher seit Jahren zu einer Vielzahl rechtlichen Spannungen wie der Europäische Union gegen Google und den Vereinigten Staaten gegen Google.
Die Massenüberwachung von Nutzern geschieht durch die Sammlung aller möglichen digitalen Daten: innerhalb der Dienste (bspw. der Inhalt von Textnachrichten und Scrollverhalten), anderswo im Internet (durch Nutzerverfolgung wie bspw. Fingerprinting) und sogar über Hardware (bspw. das Abhören von Gesprächen über das Mikrofon). Mitte der 2010er Jahre war einer der größten Skandale in diesem Zusammenhang der Fall Facebook und Cambridge Analytica.[19] Die Manipulation erfolgt vor allem durch gezielte Anzeige bzw. Nicht-Anzeige bestimmter Inhalte (bspw. im individuellen Feed ihrer sozialen Netzwerke) durch eigens dafür trainierte Algorithmen.[58][59]
Die Marktmacht äußert sich außerdem in sogenannten Lock-in-Effektene wie an einem Beispiel aus dem Jahr 2024: Nach Übernahme von VMware durch Broadcom zum Preis von fast 70 Milliarden US-Dollar,[60] die Ende 2023 vollzogen wurde, erfolgten drastische Preiserhöhungen für wesentliche VMware-Produkte. Trotz viel Kundenprotest und so manchem Wechsel zu Alternativprodukten konnte Broadcom den Umsatz und Gewinn schnell und deutlich ohne Mehraufwand erhöhen.[61]
Macht durch Künstliche Intelligenz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch die oligopolistische Marktbeherrschung verschiedener zentraler Bestandteile des Internets wird häufig kritisiert.[62][14] Diese ist unter anderem bedingt durch den Netzwerkeffekt[63] sowie Vorsprünge beim Datensammeln und -Verarbeiten. Die Big Tech-Unternehmen können sich allein schon durch ihren Reichtum eine deutlich größere Rechenkraft („Künstliche Intelligenz“) leisten und dadurch ihre Algorithmen besser trainieren. Zudem haben die Big Tech-Unternehmen entgegen den frühen 2010er Jahren auch in der akademischen Forschung und Entwicklung künstlicher Intelligenz eine Vormachtstellung zu Ungunsten von Universitäten und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen erreicht, die die Sicherheit und Technikfolgenabschätzung der Schlüsseltechnologie negativ beeinflusse.[64] Die GAFAM-Konzerne steuerten so direkt die Regulierung von KI und ihrer Produkte anstatt diese lediglich außerhalb des Prozesses beeinflussen zu können.[65]
Aufgrund der zunehmenden Veränderungen, auch in Bezug auf die Einflussnahme durch reich gewordene Akteure aus dem Big Tech-Bereich und deren politische Orientierungen – wie z. B. Elon Musk – sprechen einzelne Beobachter von Technofaschismus.[66][67][68][69] Damit sei eine Amalgamierung zwischen technologischer Allgegenwart und faschistischen Tendenzen und Bedingungen gemeint.
Gefahren für die Demokratie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Michael Ignatieff hält die „Macht der neuen Technologie-Barone“ für eine Gefahr für die Demokratie. Bei jeder technologischen Revolution müsse die Macht derjenigen beschränkt werden, die von ihr profitieren. Jeder Innovator strebe nach einer Monopolstellung. Als Lösung und wahre Herausforderung der Demokratie sieht er die Förderung eines lebendigen, uneingeschränkten und fortschrittlichen Wettbewerbs.[70]
Nach dem Medienwissenschaftler Martin Andree gefährdet die Dominanz der GAFAM in den westlichen Industrienationen die Wirtschaft wie Demokratie gleichermaßen. Durch den hohen Monopolisierungsgrad in den verschiedenen digitalen Märkten sei Wettbewerb weitgehend abgeschafft. Infolge der digitalen Transformation bleibe das Gros der Marktteilnehmer weitgehend chancenlos. Vor allem journalistische und redaktionelle Anbieter verlören aufgrund der digitalen Transformation gegen die Übermacht der Plattform-Monopole ihre Finanzierungsgrundlage. Zudem seien Medienmonopole in Deutschland als verfassungswidrig einzuschätzen. Die Situation sei besonders kritisch auf dem Feld demokratierelevanter Mediengattungen wie Suchmaschinen, Social Media sowie Gratis Video-on-Demand, welche aktuell von den quasi-monopolistischen Angeboten der Tech-Konzerne Alphabet (Google, Youtube) und Meta (Facebook, Instagram) abgedeckt werden. In einem Maßnahmenkatalog schlägt er insgesamt 15 Maßnahmen zur Öffnung der digitalen Märkte vor, wie etwa die Durchsetzung von Outlinks oder offener Standards.
Ende des Jahres 2024 wird im Vorfeld des Wahlkampfs zur Bundestagswahl im Februar 2025 dann doch eine Debatte über die Wirkungen und die Regulierung sogenannter sozialer Netzwerke und anderer großer Online-Portale ausgelöst. Medienwissenschaftler stellen dabei heraus: Große Online-Plattformen haben sich zu schädlichen Machtzentralen im Netz entwickelt, Sie müssten für Inhalte Dritter haften.[71]
Die Initiative Nachrichtenaufklärung bezeichnete die Gefahren für die Demokratie durch Big Tech aufgrund des weitgehenden Nichtvorkommens in deutschen Medien als eine der „vergessenen Nachrichten“ des Jahres 2024.[72]
Großen Digitalkonzernen wird angesichts einer sich rapide verändernden Weltordnung, die von Großmachtpolitik und einer verschlechterten Sicherheitslage geprägt ist (vgl. Coronakrise 2019, Russisch-Ukrainischer Krieg 2022, Irankrieg 2026 sowie zwei Folge-Energiekrisen), ein „digitaler Expansionismus“ nahegelegt, der demokratische Systeme wie die Europäische Union (EU) gefährden könnte.[73] Insgesamt wird der Einfluss der Unternehmen auf Augenhöhe mit dem der Politik kritisch hinterfragt.[74] Hier spielen auch großangelegt Initiativen wie die Pax Silica eine Rolle.
Weitere Einschätzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Sommer 2024 beschreibt Ulrich Kelber, bis Juni 2024 BfDI-Beauftragter, seine Erfahrungen mit Big Tech aus seiner fünfeinhalbjährigen Amtszeit u. a. wie folgt: „Einige der großen Big Tech-Unternehmen verhalten sich nach wie vor nicht rechtskonform aus meiner Sicht. Und sie mussten auch zu jedem Anpassungsschritt gezwungen werden und versuchen danach, der Entscheidung auszuweichen, indem sie eigentlich das gleiche tun, nur unter neuem Anstrich...“[75] Zudem weist er auch gerade in Bezug auf Big Tech nachdrücklich darauf hin, wie wichtig Einhaltung und Stärkung von Grundprinzipien des Datenschutzes wie Zweckbestimmung und Datenminimierung für eine funktionierende freiheitliche Gesellschaft und für eine Verringerung vom Aufkommen von Fake News sowie einer Verringerung z. T. ausufernder radikaler Inhalte sind.[76][77]
Gesetze und Regulierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aufgrund ihrer überdurchschnittlich großtechnischen Verarbeitung von Daten, haben Big Tech-Unternehmen die Möglichkeit der Überwachung und Manipulation von Milliarden Menschen.[58] Diese Machtkonzentration wird bei vielen großen Plattformen als kritisch angesehen – sicherheitstechnisch, wirtschaftlich, politisch und sozial.[12] Dies gilt besonders für ausländische Angebote, wenn diese sich in einem Land mit einer diktatorischen Regierung befinden. Verschiedene Regierungen versuchen daher, die Marktmacht von Big Tech-Unternehmen sowie die Auswirkungen ihrer Produkte und Dienste zu regulieren und die damit verbundenen Risiken oder Gefahren zu minimieren.
Digitalsteuer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Umgang mit Big Tech Unternehmen insbesondere mit der Fragestellung, wie viel Marktregulierung der EU in Bezug auf Big Tech-Konzerne wichtig ist, war auch ein deutliches Thema der Münchner Sicherheitskonferenz 2025.[78] Eine deutliche Aussage von dort war, dass die Sichtweise, jegliche Einschränkung der unbeschränkten Macht der US-Tech-Konzerne sei gleichbedeutend damit, dass man China einen Vorteil im Rennen um die Technologieführerschaft gäbe, gefährlich nicht nur für unsere europäischen Gesellschaften ist. Anlässlich der Rahmenbedingungen im Jahr 2025 (Zollpolitik) erscheint allerdings z. B. das Thema Digitalsteuer für Big Tech bis auf weiters zu Gunsten der Unternehmen ausgeräumt.[79] Auch im Jahr 2026 führen rechtliche Aktionen der EU zu direkten Reaktionen der America First Regierung Trump II.[80]
Europäische Union
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die EU hat, neben der bereits eingeführten Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zum Schutz von Personendaten, seit 2022 die Gesetze über digitale Dienste (DSA) und digitale Märkte (DMA) verabschiedet. In diesem Zusammenhang finden seit Jahren große Rechtsprozesse statt.[17]
Alternative Produkte und Dienste
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In einer Vielzahl von Ländern existieren seit Jahrzehnten Projekte und Programme als Antwort auf die Dienste von großen Internetunternehmen. Die Projekte sollen mehr digitale Souveränität bzw. mehr Technologiesouveränität für nicht-US-amerikanische Regionen und Wirtschaftsgebiete wie Europa schaffen und genießen mittlerweile auch Anerkennung über Deutschland hinaus.[81]
Zu den bekannten Initiativen, die sich seit Langem für die Bereitstellung datenschutzfreundlicherer und interoperablerer Software einsetzen, zählen beispielsweise die Open Source Initiative, Free Software Foundation (FSF), Linux, Wikipedia und OpenStreetMap.
Alternative Kommunikationsdienste
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nichtkommerzielle oder Open-Source-Alternativen zu den Diensten für soziale Netzwerke von Big Tech sind z. B. das Fediverse mit Mastodon. Im Bereich der Online-Kommunikation bzw. der mobilen Messenger ist dies z. B. Signal oder das Matrix-Kommunikationsprotokoll, das zunehmend genutzt wird, z. B. mittels Element, als Bundeswehr-Messenger.[82] Ein weiteres Beispiel ist der seit 2025 in Arbeit befindliche TI-Messenger (TIM) für Interoperables Instant Messaging im Gesundheitswesen.[83][84] Im Bereich der E-Mail-Kommunikation existieren verschiedene Anbieter: Lavabit, De-Mail (seit 2010er Jahre), Hushmail, Posteo, Proton Mail uvm.
Alternative Suchmaschinen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit den Jahren existiert eine Reihe von Anbietern „alternativer Suchmaschinen“ im Vergleich zu den großen Anbietern Google und Bing von Microsoft. Dazu zählen: Brave Search, DuckDuckGo, Qwant, Swisscows, MetaGer u. a. siehe auch die Liste von Websuchmaschinen.
Digitale Verwaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zu den alternativen EDV-Produkten im Vergleich zu Word oder Excel zählen beispielsweise OpenOffice oder LibreOffice. Dennoch dominieren Programme wie Microsoft Outlook weiterhin die Firmenlandschaft.
- Im Bereich der Groupware treibt für Deutschland das ZenDiS,[85] gegründet im Dezember 2022,[86] u. a. das Werkzeug openDesk[87] voran, damit die öffentliche Verwaltung ab Ende 2024 freier zwischen IT-Lösungen, IT-Komponenten und IT-Anbietern wählen kann.[88] openDesk wird zukünftig mittels STACKIT[89] gehostet.[90] Dieses Projekt soll
- Verwandt mit openDesk ist das Leuchtturmprojekt der Digitalstrategie Deutschlands „GovStack“.[91]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Robert Spector: Amazon.com: Get Big Fast. HarperBusiness, New York 2002, ISBN 978-0-06-662041-1 (englisch, archive.org).
- Aurelio Lopez-Tarruella (Hrsg.): Google and the Law: Empirical Approaches to Legal Aspects of Knowledge-Economy Business Models (= Information Technology and Law Series. Band 22). T. M. C. Asser Press, The Hague, The Netherlands 2012, ISBN 978-90-6704-845-3, doi:10.1007/978-90-6704-846-0 (englisch).
- Eric Schmidt, Jared Cohen: The New Digital Age: Transforming Nations, Businesses, and Our Lives. Vintage Books, A Division of Random House LLC, New York 2013, ISBN 978-0-307-94705-5 (englisch, penguinrandomhouse.com).
- Eric Schmidt, Jonathan Rosenberg, Alan Eagle: How Google Works. Murray, London 2015, ISBN 978-1-4447-9249-2 (englisch, archive.org).
- Torsten Fricke, Ulrich Novak (Hrsg.): Die Akte Google: wie der US-Konzern Daten missbraucht, die Welt manipuliert und Jobs vernichtet. Herbig, München 2015, ISBN 978-3-7766-2763-3 (englisch).
- Yvonne Hofstetter: Sie wissen alles: Wie Big Data in unser Leben eindringt und warum wir um unsere Freiheit kämpfen müssen. 2. Auflage. Penguin Verlag, München 2017, ISBN 978-3-328-10032-4.
- Viktor Mayer-Schönberger, Thomas Ramge: Reinventing Capitalism in the Age of Big Data. John Murray, London 2018, ISBN 978-1-4736-5650-5 (englisch).
- Nikos Smyrnaios: Internet Oligopoly: The Corporate Takeover of our Digital World (= Digital activism and society). Emerald Publishing, United Kingdom 2018, ISBN 978-1-78769-199-5.
- Shoshana Zuboff: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus. Gekürzte Fassung Auflage. Campus Verlag, München 2019, ISBN 978-3-593-50930-3 (Originaltitel: The Age of Surveillance Capitalism.).
- Maëlle Gavet: Niedergetrampelt von Einhörnern: Die Verheerenden Nebenwirkungen bon Big Tech - ein Aufruf zum Handeln. John Wiley & Sons, Newark 2021, ISBN 978-3-527-51072-6 (wiley-vch.de).
- Alexander Baratsits (Hrsg.): Building a European Digital Public Space: Strategies for Taking Back Control from Big Tech Platforms. iRights media, Berlin 2021, ISBN 978-3-944362-95-3 (englisch, irights-media.de).
- Martin Andree: Big Tech muss weg! Die Digitalkonzerne zerstören Demokratie und Wirtschaft - wir werden sie stoppen. Campus Verlag, Weinheim 2023, ISBN 978-3-593-51754-4.
- Herbert Hovenkamp: Tech Monopoly (= The MIT Press essential knowledge series). The MIT Press, Cambridge, Massachusetts London, England 2024, ISBN 978-0-262-54874-8 (mit.edu).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Christoph Böhm: Big-Tech – Unternehmen und digitale Infrastrukturen. In: Handbuch Philosophie der Digitalität. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2025, ISBN 978-3-662-70086-0, S. 1–11, doi:10.1007/978-3-662-70086-0_20-1 (springer.com [abgerufen am 25. August 2026]).
- 1 2 Ke Rong, Ronaldo Parente, Ziliang Deng, Zhengyao Kang, Ram Mudambi, William Newburry: The data-based power of big-tech multinational enterprises. In: Journal of International Business Studies. Band 57, Nr. 2, März 2026, ISSN 0047-2506, S. 220–235, doi:10.1057/s41267-025-00828-5 (englisch, springer.com [abgerufen am 17. August 2026]).
- ↑ Xing Lei, Qasim Hamakhurshid Hamamurad, Nor Hidayati Zakaria: Innovating business models in the digital age: a bibliometric study of high-tech startups. In: Cogent Business & Management. Band 12, Nr. 1, 12. Dezember 2025, ISSN 2331-1975, doi:10.1080/23311975.2025.2557968 (englisch, tandfonline.com [abgerufen am 18. August 2026]).
- 1 2 John Naughton: The evolution of the Internet: from military experiment to General Purpose Technology. In: Journal of Cyber Policy. Band 1, Nr. 1, 2. Januar 2016, ISSN 2373-8871, S. 5–28, doi:10.1080/23738871.2016.1157619 (englisch, tandfonline.com [abgerufen am 18. August 2026]).
- ↑ Natacha Polony: Changer la vie : Pour une reconquête démocratique. Les Éditions de l’Observatoire, Paris 2017, ISBN 979-1-03290027-7, S. 48 f.
- ↑ Jean-Gabriel Ganascia: Servitudes virtuelles : Éthique et politique à l‘ère du numérique (= Collection Points Sciences. S232). 2. Auflage. Éditions du Seuil, Paris 2022, ISBN 978-2-02-144031-7, S. 183, 185 und Fußnote 21, S. 324.
- ↑ Tech-Aktien 2024 - Die Magnificent Seven haben geliefert. In: heise.de. 27. Dezember 2024, abgerufen am 27. Dezember 2024.
- ↑ Boniello Carmine: The Evolution of High Tech Companies over the Years: Some Definitions and Difference between Market-oriented Companies and Innovation-oriented Companies. In: International Journal of Economics, Business and Management Research. Band 06, Nr. 12, 2022, S. 30–41, doi:10.51505/IJEBMR.2022.61203 (englisch, ijebmr.com [PDF; abgerufen am 18. August 2026]).
- ↑ Adolfo M. Carreno: Analyzing Amazon's Evolution from an Online Bookstore to a Global Tech Giant. 2. Dezember 2024, doi:10.5281/ZENODO.14649218 (englisch, zenodo.org [abgerufen am 18. August 2026]).
- 1 2 Google: Der allwissende Gigant. In: Tagesschau. 22. Oktober 2015, abgerufen am 20. August 2026.
- 1 2 Wie Social-Media-Konzerne ihre Marktmacht ausbauen. In: Tagesschau. 27. Oktober 2021, abgerufen am 20. August 2026.
- 1 2 Ulrich Dolata: Volatile Monopole. Konzentration, Konkurrenz und Innovationsstrategien der Internetkonzerne. In: Berliner Journal für Soziologie. Band 24, Nr. 4, April 2015, ISSN 0863-1808, S. 505–529, doi:10.1007/s11609-014-0261-8 (springer.com [abgerufen am 11. November 2025]).
- ↑ Manuel Wörsdörfer: What Happened to ‘Big Tech’ and Antitrust? And How to Fix Them! In: Philosophy of Management. Band 21, Nr. 3, September 2022, ISSN 1740-3812, S. 345–369, doi:10.1007/s40926-022-00193-5 (englisch, springer.com [abgerufen am 17. August 2026]).
- 1 2 Interview zu Google: "Süß, aber in der Masse ungesund". In: Tagesschau. 15. April 2015, abgerufen am 20. August 2026.
- ↑ US Supreme Court to hear Apple appeal of contempt in Epic Games lawsuit. 30. Juni 2026, abgerufen am 19. August 2026 (englisch).
- ↑ iPhone: Niederlage für Apple in britischem Milliardenprozess um App-Store. In: Handelsblatt / Reuters. 23. Oktober 2025, abgerufen am 19. August 2026.
- 1 2 Apple scheitert vor EU-Gericht mit Klage gegen strengere Regeln. In: Tagesschau. 8. Juli 2026, abgerufen am 19. August 2026.
- ↑ Künstliche Intelligenz: Google kauft Daten von Spirit Airlines. In: zdfheute. 18. August 2026, abgerufen am 19. August 2026.
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