"Dieser Mann ist der gefährlichste politische Akteur in Amerika." So hatte Bloomberg im letzten Jahr einen Artikel über Stephen Bannon betitelt. Seit Mittwoch ist dieser Mann nun der neue Wahlkampfchef von Donald Trump. Was macht ihn so gefährlich?
Bannon, 62, ist der Chef der ultrarechten Nachrichtenseite
Breitbart News Network und er hat eine Mission: Er will das politische Establishment in
Washington zerstören, Demokraten genauso wie Republikaner. Dazu ist ihm
jedes Mittel recht. Bannon scheut weder die Nähe zu Neonazis noch schreckt er vor Rassismus und Antisemitismus zurück. Frauen, die auf so
etwas wie Gleichberechtigung pochen, kann er gar nicht leiden.
Bannon ist ein großer,
massiger Mann, mit einem dichten, grau-blonden Haarschopf. Er war Navy
Seal, hat im Pentagon gearbeitet und ist Harvard Absolvent. Der Mann hat
viele Facetten. Da ist die
laute, die krachende Seite von Stephen Bannon. Und sie erreicht Millionen Leser.
Aber es ist die leise, unauffällige Seite, die ihn so gefährlich macht.
Ich habe Bannon während des Republikanischen Parteitages im Juli bei der Vorführung des Kinofilmes Clinton Cash erlebt. Clinton Cash ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches des Historikers Peter Schweizer. Zu Beginn des Wahlkampfes hat das Werk große Wellen geschlagen, denn es legt mit gut recherchierten Dokumenten nahe, dass Hillary Clinton als Außenministerin Geldgebern der Clinton Foundation politische Vorteile verschafft hat. Die Recherchen waren so gut, dass die New York Times einige Teile davon auf Seite eins noch vor Erscheinen des Buches brachte.
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Es war einer der größten Erfolge Bannons, denn sowohl das
Buch als auch den Film hatte er in Auftrag gegeben. Das Ganze war von langer
Hand geplant.
Bannon brauchte Fakten statt Polemik
Bannon wusste, dass er mit der Polemik auf Breitbart
nur eine begrenzte Zahl der Amerikaner erreichen würde. Ein großer Angriff auf
Clinton durch die New York Times (NYT) oder andere liberale Medien kann dagegen die
Glaubwürdigkeit Clintons nachhaltig erschüttern. Auch in Teilen der
Gesellschaft, die Bannon mit seiner Seite nie erreicht.
Wer führt in den Umfragen?
Um die NYT aber für sein politisches Ziel instrumentalisieren zu können, musste Bannon statt Polemik Fakten bieten. Aus diesem Grund hatte er 2012 das Government Accountability Institute gegründet. Das Institut ist eine Rechercheeinrichtung, die Vetternwirtschaft und Korruption aufdecken soll. Zum Chef der Organisation machte Bannon Peter Schweizer. Das Geld für all diese Projekte hatte Bannon bei Goldman Sachs und in Hollywood verdient.
Schuld daran, dass der Banker Bannon, der jahrelang an der
Wall Street Millionen verdiente, zu einem der gefährlichsten politischen
Akteure wurde, war – nach seinen eigenen Angaben – die Finanzkrise 2008. Bannons
Vater, ein Telefonkabelverleger aus Virginia ohne Collegeabschluss, soll
damals in Panik alle seine Aktien verkauft haben, mit denen er eigentlich seine Rente sichern wollte. Anders als die meisten Kleinanleger wurden die Banken damals mit dem Geld der Steuerzahler gerettet. Bannon
war von der Politik und Washington entsetzt und angeekelt, wie er es ausdrückte.
Wegen der Finanzkrise ging der Banker in die Politik
Er begann daraufhin, konservative Filme zu machen. Zuerst über Ronald
Reagan, dann über die rechte Tea-Party-Bewegung und Sarah Palin. Sein Publikum
waren die weißen Amerikaner, die sich in ihrem Land fremd und ungerecht
behandelt fühlten. Auf den Kinovorführungen in Los Angeles lernte Bannon Andrew Breitbart, den Gründer von Breitbart News Network kennen. Als der 2012 starb, übernahm Bannon eine Führungsposition in dem Unternehmen
und machte es zu der Angriffswaffe auf Washington, die sie heute ist – und die sich im Präsidentschaftswahlkampf früh auf die Seite von Donald Trump geschlagen
hatte.
21 Millionen Besucher hat die Seite seitdem jeden Monat. 16-mal mehr, als zu Zeiten von Andrew Breitbart. Bannon hat erfolgreich mitgeholfen, eine Koalition aus all den wütenden Weißen Amerikas hinter Trump zu vereinen. Dass Bannon nun Trumps Wahlkampf leitet, ist nur folgerichtig. Er hat ihn miterschaffen.